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THEMA: KISS Syndrom Teil 2

Patienteninformation


KISS Kopfgelenk - Induzierte SymmetrieStörungen im Säuglings- und Kleinkindalter Teil II.

KISS I

KISS I-Kinder weisen eine Symmetrieabweichung in der Rechts- Links- Ebene auf. Sie schauen fast immer nur in eine Richtung und neigen den Kopf leicht zur Gegenseite . Durch die einseitige Lage plattet sich das Hinterhaupt schon nach kurzer Zeit mehr oder minder stark ab , es entwickelt sich eine Schädelasymmetrie. Gründe dafür sind der noch sehr weiche und nicht verknöcherte Hirnschädel beim jungen Säugling. Die Hirnentwicklung wird durch diese Schädelasymmetrie nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus kann man bei vielen KISS I- KLeinkindern auch eine Gesichtsasymmetrie beobachten, dann erscheint eine Gesichtshälfte kleiner. Diese Gesichtsasymmetrie bildet sich nach einer Behandlung meist innerhalb von wenigen Wochen zurück, die Hinterkopfabplattung braucht da schon wesentlich länger (bis zum 5. Lebensjahr) oder bleibt evtl. auch darüber hinaus noch nachweisbar.

Viele Kinderärzte empfehlen den Eltern, das Köpfchen abzupolstern oder das Bettchen umzustellen. Bei sehr jungen Babys (Frühgeburten) oder solchen mit nur leicht ausgeprägter Problematik kann dies durchaus aus- reichen um eine Schädeldeformierung zu verhindern.

Neu – und Frühgeborene sowie sehr junge Säuglinge haben noch keine ausreichende Kopfkontrolle und auch die Spontanmotorik ist noch nicht soweit entwickelt, dass sie ihren Kopf ganz allein nach rechts und links drehen können. Hier macht das richtige Lagern Sinn.

Liegt dem jedoch eine Funktionsstörung der Kopfgelenke zugrunde, stellt sich die einseitige Kopfwendung recht schnell wieder ein. Insbesondere entwickeln die Kinder ab cirka 3. Lebensmonat (8 Wo) schon so viel Spontanmotorik, dass sie innerhalb kurzer Zeit wieder in ihrer gewohnten (Zwangs-) Haltung liegen. Versucht man das Köpfchen vorsichtig zur Gegenseite zu drehen, dann gelingt dies nicht ausreichend und das Kind "meckert" lautstark. Auch bemerkt man beim Mützchen aufsetzen oder beim Hals waschen eine Überempfindlichkeit im Nackenbereich.

Eine weitere wichtige Auffälligkeit bei KISS I- Kindern im Säuglingsalter ist ihre C-Haltung, die vom Kopf bis zum Becken reicht. Diese Schiefhaltung kann man in fast allen Positionen finden, ob im Bettchen oder auf dem Schoß. Die Arme und Beine werden oft an der Innenseite des "C" weniger bewegt und weisen Rückstände in der motorischen Entwicklung auf. So kann man dann eine einseitige Faustungstendenz der Hand (z. Bsp. beim Unterarmstütz jenseits des 3. Monats oder beim Handstütz ab dem 6. Lebensmonat) finden. Insgesamt sind KISS I- Kinder oft motorisch entwicklungsverzögert (nur einseitiges Drehen, asymmetrisches Robb- oder Krabbelmuster u.v.a.m.) ohne dass ein Hirnschaden vorliegt. Nach einer entsprechenden Behandlung holen sie daher ihre Rückstände schnell auf.

Bei genauer Untersuchung können auch Asymmetrien in der Grundspannung der Muskulatur zwischen rechter und linker Körperhälfte festgestellt werden. Diese können zu Hüftreifungsverzögerungen (meist an der Innenseite des "C"), "Po"-Faltenasymmetrien oder Auffälligkeiten in Bezug auf die Fußstellung (z. Bsp. "Sichelfüßchen") führen.

Wenige KISS I- Kinder weisen nur diskrete Zeichen einer Entwicklungsstörung auf oder zeigen wechselnde Haltungsauffälligkeiten. Auch hier sollte in Verbindung mit dem Kinderarzt das weitere Vorgehen besprochen werden. Insbesondere in den ersten 3 Lebensmonaten lösen sich viele "Verspannungen" auch spontan.

Länger bestehende Auffälligkeiten sollten jedoch nicht bagatellisiert werden.

Die folgenden Symptomgruppen sind weder für ein KISS I noch für ein KISS II typisch, insbesondere da ja die meisten Kinder (wie bereits erwähnt) von beiden Komponenten etwas haben. Sie sollen daher gemeinsam abgehandelt werden. Andererseits kann bei hier zugeordneten Kindern die Haltungsauffälligkeit im Hintergrund stehen oder sogar fehlen.

Auch sei nochmals betont, dass diese Auffälligkeiten ähnlich wie die o.g. Haltungsstörungen durch viele andere Erkrankungen hervorgerufen werden können und immer einer qualifizierten ärztlichen Kontrolle bedürfen.

Schreikinder / Dreimonatskoliken

Wie der Name schon sagt schreien diese Babys sehr viel und lassen sich nur schwer (oder nicht) beruhigen. Die Schreiattacken treten besonders abends und nachts auf und halten meist einige Stunden an. Erfahrungsgemäß klingen diese Schreiphasen bis zum 3. Lebensmonat ab und auch die begleitenden Blähungen verschwinden. Doch wo ist die Grenze zwischen normaler Anpassung an das Leben außerhalb der Gebärmutter und vielleicht anderweitigen Gesundheitsstörungen ? In der Medizin geht man von einer natürlichen d.h..normalen täglichen Schreidauer von weniger als 3 Stunden aus. Schreit ein Kind mehr als 3 Stunden am Tag und das über mehr als 3 Tage hintereinander wählt man die Bezeichnung Schreikind und empfiehlt eine entsprechende ärztliche Kontrolle. Diese hat dann wiederum eine Fülle von wichtigen Erkrankungen zu berücksichtigen. Trotz ausführlicher Diagnostik findet sich jedoch bei den meisten Kindern kein krankhafter Befund und die Kinder werden nach Hause geschickt oder zur nächsten Schreiambulanz. Nicht umsonst gilt die Dreimonatskolik in medizinischen Fachkreisen als Mysterium.

Je weniger man den Beschwerden dieser Babys ausgesetzt ist, wird man den Eltern raten abzuwarten bis sich die Natur selber hilft. Angesichts schreiender Babys und verzweifelter Eltern ist hier jedoch ein manualmedizinischer Behandlungsansatz gerechtfertigt. Anfangs berichteten die Eltern bei der Kontrolluntersuchung ihres KISS- Kindes ganz nebenbei, dass "...übrigens schon wenige Tage nach der Therapie auch die Schreiattacken verschwanden". So zeigte sich im Laufe der Jahre, dass bei entsprechender Vordiagnostik mehr als 60 % dieser Babys durch Manualtherapie geholfen werden konnte.

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