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THEMA: KISS Syndrom Teil 1

Patienteninformation


KISS Kopfgelenk - Induzierte SymmetrieStörungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Der Begriff KISS steht für Kopfgelenk-Induzierte SymmetrieStörung und macht auf den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Fehlfunktionen im Bewegungsapparat und hier insbesondere am oberen Wirbelsäulenpol, den so genannten Kopfgelenken, sowie der Entstehung von Entwicklungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter aufmerksam. Wir nennen solche Fehlfunktionen Kopfgelenksblockierungen.

Die daraus resultierenden Entwicklungsstörungen können vielschichtig sein und sind für sich allein genommen nie typisch für eine KISS-Symotomatik. Erst die Kombination von derartigen Auffälligkeiten lässt an eine KISS- Problematik denken. Daher sollten betroffene Säuglinge und Kleinkinder immer beim Kinderarzt vorgestellt und diesbezüglich untersucht werden.

Die meisten Säuglinge reagieren mit Haltungsauffälligkeiten. Einige liegen wie ein "C" im Bettchen und schauen vermehrt in eine Richtung. Dadurch plattet sich der Hinterkopf seitlich ab und es entsteht eine asymmetrische Schädelform. Darüber hinaus kann man nicht selten eine Asymmetrie des Gesichtes erkennen, oft erscheint eine Gesichtshälfte kleiner (KISS I).

Andere überstrecken sich stark und biegen sich nach hinten durch ("Flitzebogenhaltung"). Sie können zwar mehr oder minder den Kopf in beide Richtungen drehen aber im Liegen wird der Hinterkopf durch die fixierte Rückbeuge vermehrt belastet und es entwickelt sich eine in der Mitte gelegene Schädelabplattung mit haarlosem kreisrunden Gebiet, dem "KISS-Fleck" (KISS II).

Viele Säuglinge weisen kombinierte Haltungsstörungen auf (z.Bsp. Kopfeinseitig gedreht und überstreckt), oft ist jedoch eine Komponente führend.

Darüber hinaus entstehen durch die Fehlhaltung auch motorische Auffälligkeiten, das Kind durchläuft die Meilensteine der Säuglingsentwicklung verspätet oder in weniger optimalen Mustern. Manche Kinder überspringen entsprechende Stadien sogar oder ersetzen beispielsweise das Krabbeln durch "Po-Rutschen".

Häufig bestehen so genannte vegetative Symptome. Auch hier können ganz unterschiedliche Beschwerden auftreten. So berichten zahlreiche Eltern über abendliche Schreiattacken ihrer Kinder, andere Säuglinge spucken vermehrt, sabbern viel oder es treten ein-/beidseitige Stillprobleme auf. Einige schlafen schlecht und machen selbst nach dem ersten Geburtstag die Nacht zum Tag. Manche Babys sind wiederum ganz "brave" Kinder und fallen nur auf, weil sie "bewegungsfaul" sind und motorische Entwicklungsrückstände bestehen.

Eine ausführliche Beschreibung möglicher Symptome ist unter KISS I und KISS II zusammengefasst.

Das Konzept der Kopfgelenk-Induzierten Symmetriestörung soll auf den Zusammenhang von Wirbelsäulenfehlfunktionen und Abweichungen von der normalen Säuglings- und Kleinkindentwicklung hinweisen, da derartige Zusammenhänge immer noch weitgehend unterschätzt werden. Wenn im Einzelfall eine solche Relevanz nachgewiesen werden kann, bietet die Manuelle Therapie eine einfache und risikoarme Behandlungsmöglichkeit.

KISS Kopfgelenk - Induzierte SymmetrieStörungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Risikofaktoren
Wir gehen heute von überwiegend geburtstraumatischen Auslösemechanismen für Funktionsstörungen der oberen Halswirbelsäule aus. Diese so genannten peripartalen Risikofaktoren liegen also in der Zeit der Schwangerschaft, während der Geburt und in den Stunden (Tagen) danach.

Darüber hinaus ist bekannt, dass Jungen häufiger Kopfgelenksblockierungen entwickeln als Mädchen (Verhältnis etwa 60:40). Da die Praxis gezeigt hat, dass in zahlreichen Familien meist gleichgeschlechtliche Geschwister eine ähnliche Symptomatik entwickelten, kann man eine geschlechtsspezifische und familiäre Disposition (Neigung) für die Entwicklung einer KISS- Problematik annehmen.

Risikofaktoren in der Schwangerschaft
Hier haben Zwangslagen in der Gebärmutter wie Querlagen, Beckenendlagen aber auch Raumnot infolge Mehrlingsschwangerschaften besondere Bedeutung. Viele Babys liegen oft tage – und wochenlang in unveränderter Position und müssen ihre Kopfhaltung den engen Platzverhältnissen anpassen. Diese Kinder kommen meist schon mit Haltungsauffälligkeiten zur Welt.

Risikofaktoren unter der Geburt
Der Geburtsvorgang an sich birgt sicherlich die meisten Tücken. Ein Grund dafür ist der spezielle Aufbau des menschlichen Geburtskanals, durch den sich ein relativ großer kindlicher Kopf schraubenförmig durchwinden muss. Nicht umsonst benötigt keine andere Art tatkräftige Hilfe bei der Geburt. Nach unseren Untersuchungen stellt die Anwendung des Kristeller'schen Handgriffs (wehensynchrones Drücken - gelegentlich auch mit den Fäusten- auf den Bauch) einen Hauptrisikofaktor dieser Gruppe dar. Dabei kann sich der Austreibungsdruck derart erhöhen, dass das Kind über eventuelle Geburtshindernisse gepresst wird.

Auch jede vermehrte Drehung/Seitneigung oder Zug am kindlichen Kopf beispielsweise bei der Schulterentwicklung kann die Halswirbelsäule "ärgern". Ähnliches gilt für die Anwendung von so genannten Extraktionshilfen wie Saugglocke oder Zange.

Aber selbst der Kaiserschnitt bewahrt die Kinder nicht vor einer vermehrten (Zug-) Belastung der Halswirbelsäule. Schließlich werden die Babys entweder am Kopf oder an den Füßen herausgezogen. Auf eine solche Zugbelastung ist die kindliche Halswirbelsäule jedoch nicht vorbereitet, da bei der normalen (vaginalen) Geburt solche Mechanismen nicht vorkommen.

Weitere geburtliche Risikofaktoren sind ein Geburtsgewicht von über 4000g, sehr kurze Geburtsverläufe (das Kind muss in kurzer Zeit einen größeren Weg zurücklegen), eine lange Geburtsdauer, Extremitätenvorlagen/vorfälle, eine schwierige Schulterentwicklung und hintere Hinterhauptslagen. Diese Kinder entwickeln ihre Auffälligkeiten im Laufe von 2-6 Wochen nach der Geburt.

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