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THEMA: Chondropathia patella
Schmerzsyndrom des vorderen Kniebereiches

Patienteninformation


Kurzinfo
Unter einer Chondropathia patellae versteht man ein Schmerzsyndrom im Bereich der Kniescheibe, das bevorzugt bei jungen Frauen sowie bei beiden Geschlechtern während des Wachstumsschubes in der Pubertät auftritt. Als Ursache kommen einerseits Knorpelschäden der Kniescheibe sowie ihres Gleitlagers als auch Fehlfunktionen der Oberschenkelmuskulatur sowie des Bandapparates im Kniegelenk in Betracht. Die Diagnose wird anhand einer ärztlichen Untersuchung, ergänzt durch eine Röntgenaufnahme, gestellt. Die Therapie erfolgt in erster Linie durch krankengymnastische Maßnahmen, seltener durch den Einsatz von Medikamenten. Im Allgemeinen bilden sich die Beschwerden innerhalb von Wochen und Monaten auch spontan zurück.

Allgemeines
Als Chondropathia patellae bezeichnet man ein Schmerzsyndrom im Bereich der Kniescheibe. Den Begriff Chondropathie kann man mit Knorpelleiden übersetzen, patella ist die lateinische Bezeichnung für die Kniescheibe. Der Begriff der Chondropathia patellae ist irreführend, da der Knorpel selbst nicht mit Nerven versorgt (innerviert) ist und demnach Veränderungen des Knorpels keine Schmerzen verursachen. Ist ein Knorpelschaden allerdings soweit vorangeschritten, dass der darunterliegende Knochen betroffen wird, treten sehr wohl Schmerzen auf. Um diesem Umstand gerecht zu werden, spricht man heute meist vom Schmerzsyndrom des vorderen Kniebereiches oder dem femoro-patellaren Schmerzsyndrom, wobei bei dieser Bezeichnung der Femur, also der Oberschenkelknochen, mit berücksichtigt wird.

Ursachen
Als Ursache werden Knorpelveränderungen an der Rückfläche der Kniescheibe vermutet. Dabei kann es sich sowohl um Verdickungen, Erweichungen, Aufsplitterungen als auch Abscherungen handeln. Diese Veränderungen reichen jedoch meist nicht bis zum Knochen. Erst durch das zusätzliche Vorhandensein von Faktoren, die das Leiden begünstigen, entwickelt sich dann ein Schmerzsyndrom. Begünstigend wirken z.B. eine dauerhafte Überbeanspruchung der Kniescheibe bei knieenden Tätigkeiten (Fliesenleger) aber auch eine mechanische Überbelastung der an der Kniescheibe ansetzenden Sehnen, z.B. beim Strecken des Kniegelenkes aus maximaler Beugung, wie beim Aufstehen oder Aufspringen aus der Hocke (Sportler).

Neben diesen Überlastungssituationen können Schmerzen im Kniebereich jedoch auch unter einer normalen Beanspruchung des Kniegelenkes auftreten. Bei diesen Personen findet man häufig Fehlbildungen oder Fehlstellungen der Kniescheibe. Zu den möglichen Fehlbildungen gehören z.B. Abweichungen in der Form und Größe der Kniescheibe. Fehlstellungen bestehen sowohl in einem Tief- als auch in einem Hochstand der Kniescheibe. Ein Missverhältnis zwischen der Kniescheibe und ihrem Gleitlager, das vom Oberschenkelknochen gebildet wird, kann ebenfalls zu Schmerzen führen.

Selbstverständlich kann es als Folge von Unfällen und Verletzungen des Kniegelenkes auch zur Ausbildung eines Schmerzsyndromes kommen. In der Mehrzahl der Fälle lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache für ein Schmerzsyndrom im vorderen Kniebereich feststellen!

Häufigkeit
Zahlenangaben zur Häufigkeit. Schmerzsyndrome im vorderen Kniebereich treten jedoch besonders häufig bei jungen Frauen sowie bei beiden Geschlechtern während des Wachstumsschubes in der Pubertät auf.

Symptome
Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, die häufig nach ungewohnten Belastungen, wie z.B. bergab gehen oder aber auch nach längerem Sitzen mit gebeugten Knien (Kino, Eisenbahn, Flugzeug) auftreten. Diese Schmerzen treten meist beidseits, manchmal aber auch abwechselnd in beiden Knien auf. Sie können über Monate und Jahre immer wieder kehren.

Diagnose
Anamnese, also der Befragung des Patienten durch den Arzt, sowie durch eine ärztliche Untersuchung gestellt. Typischerweise findet man einen Druckschmerz im Bereich der Kniescheibe. Durch eine Bewegung des Knies unter Belastung, z.B. Strecken gegen einen Widerstand, können ebenfalls Schmerzen ausgelöst werden. Gelegentlich ist dabei auch ein Reiben der Kniescheibe auf ihrem Gleitlager, also dem Oberschenkelknochen, zu fühlen und zu hören. Dieses Reiben weist auf Unregelmäßigkeiten des Knorpelbelags der Rückfläche der Kniescheibe bzw. des Gleitlagers hin.

Bei einer Tastuntersuchung lassen sich auch Fehlstellungen der Kniescheibe sowie Instabilitäten des Kniegelenkes, wie z.B. eine ungewöhnliche Verschiebbarkeit der Kniescheibe vor allem nach außen, feststellen. Die Untersuchung beschränkt sich nicht allein auf das Kniegelenk und die Kniescheibe. Die für die Bewegungen im Kniegelenk verantwortlichen Muskeln und Sehnen sowie der Bandapparat des Kniegelenkes müssen ebenfalls bezüglich ihrer Funktionen überprüft werden.

Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung sollte eine Röntgenuntersuchung des Kniegelenkes sowie gezielt der Kniescheibe erfolgen. Wenn durch die ärztliche Untersuchung und die Röntgenuntersuchung keine Klärung der Ursache der Beschwerden möglich ist, kann eine Arthroskopie, also eine Gelenkspiegelung, durchgeführt werden, um eventuelle Knorpelveränderungen nachzuweisen. Dieser Eingriff sollte jedoch nur gut überlegt eingesetzt werden, da wie oben bereits erwähnt, in der Mehrzahl der Fälle keine Ursache für die Beschwerden nachweisbar ist. In seltenen Fällen ist auch eine MRT-Untersuchung sinnvoll.

Therapie
Die Behandlung eines Schmerzsyndromes im vorderen Kniebereich erfolgt in erster Linie mit Krankengymnastik. Dazu gehört sowohl die kurzfristige Schonung des Kniegelenkes als auch das Anlegen stabilisierender Verbände. Eine dauerhafte Besserung der Schmerzen kann durch ein Krafttraining sowie Dehnungsübungen der Oberschenkelmuskulatur erreicht werden. Der Einsatz von Schmerzmitteln kann häufig vermieden werden. Bei besonders schweren Schmerzen können jedoch örtlich begrenzt Lokalanästhetika, also Betäubungsmittel, in Form von Spritzen angewendet werden.

Der Einsatz von sogenannten Chondroprotektiva, das sind Medikamente, denen eine schützende Wirkung auf den Knorpel zu geschrieben wird, hat sich nicht bewährt. Operative Maßnahmen sind im allgemeinen nicht notwendig und sollten nur nach Abwägung aller Vorteile und vor allem der möglichen Nachteile eingesetzt werden.

Frauen mit Schmerzen im Bereich des Knies ist das Tragen von Schuhen mit flachen Absätzen zu empfehlen, da auf diese Weise der Bandapparat des Kniegelenkes entlastet wird. Sportarten, die mit erheblichen Belastungen des Kniegelenkes verbunden sind, wie z.B. Fußball oder Ski, sollten durch weniger belastende Sportarten, wie z.B. Schwimmen, ersetzt werden.

Prophylaxe
Eine direkte Vorbeugung ist nicht möglich. Treten erstmals leichte Beschwerden im Bereich der Kniescheibe auf, können die bei der Behandlung beschriebenen Allgemeinmaßnahmen, wie das Tragen flacher Absätze oder ein Wechsel der Sportarten, einer Zunahme der Beschwerden vorbeugen.

Prognose
Der Verlauf der Erkrankung ist insgesamt gut. In der Mehrzahl der Fälle verschwinden die Schmerzen spontan, also ohne Therapie nach Wochen bis Monaten, gelegentlich aber auch erst nach Jahren. Es handelt sich also nicht um eine sich im Verlauf verschlechternde Erkrankung, wie z.B. eine Arthrose.


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