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THEMA: ADS-Aufmerksamkeitsstörungen Teil 2

Patienteninformation


Aufmerksamkeitsstörung (ADS, ADHS) | Teil 2.

Diagnose

Die Diagnose der ADHS lässt sich vor allem durch die Lebensgeschichte (Anamnese) des betroffenen Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen stellen. Ergänzend haben sich Fragebögen in unterschiedlichem Ausmaß bewährt.

Neben einer gründlichen körperlichen und neurologischen Untersuchung werden verschiedene neuropsychologische Testuntersuchungen durchgeführt. Objektiver als diese Tests sind computergesteuerte Testprogramme, die die Konzentrationsfähigkeit, die Ablenkbarkeit und das Vermögen, einfache Lernstrategien zu entwickeln, prüfen können. Aber auch diese Tests sind für eine Diagnose nicht immer beweisend.

Therapie

Nicht jede Aufmerksamkeitsstörung muss gleich und unbedingt behandelt werden. Wichtig ist es, sich mit den behandelnden Ärzten/Kinderärzten und Psychologen eingehend über die Schwere und das Ausmaß der Störung zu beraten.

Das Ziel einer ADHS-Therapie ist es, die Symptome wie die Unaufmerksamkeit, die Hyperaktivität und die Impulsivität in den Griff zu bekommen. Eine Heilung der Stoffwechselstörung im Gehirn im eigentlichen Sinn ist nicht möglich. Langfristiges Ziel bei Kindern und Jugendlichen ist, ihnen die Chance auf eine altersgemäße Entwicklung zu ermöglichen, damit sie nicht zu Schulversagern, Außenseitern oder suchtkrank werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ADHS bzw. ADS zu begegnen. Meist erweist sich eine individuelle ausgewogene Kombination aus Maßnahmen als sinnvoll. Dazu zählen u.a.:

- als Basis die Aufklärung über die Krankheit in Familie und Schule

- Beratung des Betroffenen und seiner Familie

- eine Verhaltenstherapie, bei der z.B. neue Verhaltensstrategien erlernt werden sollen
   und Strukturen und feste Grenzen festegelegt werden

- ggf. eine Psychotherapie

- zusätzlich regelmäßige sportliche Aktivitäten

Als viel versprechend hat sich das so genannte Kombinationstraining erwiesen. Dabei beteiligen sich Eltern, Lehrer und die betroffenen Kinder gleichermaßen an den Aktivitäten. Ganz besonders werden regelmäßige und verlässliche Tagesabläufe einstudiert.

In ausgeprägten Fällen können Medikamente erforderlich sein. Häufig wird der Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt. In Deutschland schätzt man, dass täglich rund 50.000 Kinder mit Methylphenidat behandelt werden. Methylphenidat wirkt im Bereich der Synapsen und verlängert dort die Wirkdauer der körpereigenen Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und eventuell auch des Serotonins. Die Funktion dieser nicht optimal wirkenden Neurotransmitter wird also weitgehend normalisiert.

Die Medikamentenmenge, sowie deren Wirkdauer sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und müssen individuell herausgefunden werden. In der mehrwöchigen Einstellphase der Behandlung sind Rückmeldungen bezüglich der Wirkung des Medikaments, z.B. durch die Kinder selbst, ihre Lehrer und Eltern, überaus wichtig.

Dennoch ist die medikamentöse Behandlung mit der Substanz Methylphenidat, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, nicht unumstritten. Die Gegner beklagen, dass Methylphenidat ein Mittel zur sozialen Kontrolle darstelle und vor allem die Last von Eltern und Erziehern beim Umgang mit den Kindern lindern helfe. Außerdem würde den Betroffenen die Verantwortung für ihr eigenes Tun und Verhalten durch die Gabe von Medikamenten weitgehend abgenommen.

Verlauf

Es ist wichtig, dass die Betroffenen konsequent, regelmäßig und langfristig angemessen behandelt und betreut werden. Ansonsten haben viele Betroffene auch im Erwachsenenalter noch Probleme. Manchmal ist eine Behandlung nur über wenige Jahre, bei einigen Menschen aber auch lebenslang erforderlich. Ziel ist es, ein "normales Leben" mit guten sozialen Kontakten, einer qualifizierten Ausbildung und Ähnlichem und damit eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Wenn Kinder mit ADHS nicht behandelt werden, kann es zu anhaltenden Persönlichkeitsveränderungen kommen, die ihre weitere Entwicklung negativ beeinflussen. Nur bei wenigen Kindern bessern sich die Symptome nach der Pubertät spontan auch ohne Behandlung.


Quellen:

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

Leitlinie der Dt. Gesellschaft für Kinder- u. Jugendpsychiatrie: Diagnose und Behandlung von hyperkinetischen Störungen.

http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/kjpp-019.htm

Uexküll, T.v.: Psychosomatische Medizin. Urban u. Schwarzenberg, 1998

Stand: Februar 2005


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